LNG-Projekte in Kanada

Auf Augenhöhe mit den „Menschen des Schnees“


In den entlegenen Regionen im Nordwesten Kanadas ist es kalt und schneit sehr viel. Aber unter der unberührten weißen Landschaft liegt ein Reichtum an Naturschätzen. Wie kann ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Einheimischen und der rasanten industriellen Entwicklung gefunden werden?


Wenn es darum geht, in entlegenen Teilen der Welt zu arbeiten, hat das nur noch wenig mit dem normalen Büroalltag zu tun. Man muss das Gebiet kennen lernen und eine Verbindung zu Land und Leuten herstellen.

Kitimat, an der Nordküste der kanadischen Provinz British Columbia gelegen, ist eine kleine Gemeinde inmitten von Wildnis, Bergen und dichten Wäldern. Sie ist auch die Heimat der Kitsumkalum, der Gitxaala und der Haisla („Menschen des Schnees“ in ihrer eigenen Sprache), die dieses Gebiet seit mehr als 9.000 Jahren bewohnen.

Der Aufbau einer partnerschaftlichen Beziehung zu den sogenannten First Nation People (kanadische Bezeichnung für die Ureinwohner), spielt eine wesentliche Rolle bei der nachhaltigen und gerechten Erschließung der Erdgasvorkommen in dieser Gegend.

Es gibt kalt und „LNG-kalt“

Kanada ist ohnehin schon für sein kaltes Wetter bekannt – wenn es allerdings um Flüssigerdgas (LNG) geht, sprechen die Zahlen noch eine ganz andere Sprache: -163°C. Auf diese Temperatur muss Erdgas heruntergekühlt werden, damit es verflüssigt.

Rafael Machado, Geschäftsführer von KAEFER in Kanada, stellten bereits leichte Minusgrade vor eine echte Herausforderung – ist er doch ursprünglich in wesentlich wärmeren Gefilden zu Hause: Brasilien. Für die Beziehung mit der indigenen Gemeinde vor Ort hat sich das aber durchaus als Vorteil erwiesen. „Von den First Nations habe ich viel über den Respekt für das Land gelernt“, erzählt Machado. „In Brasilien kennen wir ähnliche Rituale, und auch die Tatsache, dass ich in dieser abgelegenen Gegend von Kanada ein Außenseiter bin, erlaubt mir eine andere Verbindung zu den Menschen einzugehen, da sie mich als eine verwandte Seele wahrnehmen.“

KAEFER in Kanada verfolgt beim Umgang mit der indigenen Bevölkerung den Grundsatz, dass das Unternehmen die Kultur der First Nations verstehen und darauf hinarbeiten muss, die Auswirkungen der jeweiligen Projekte auf ihre Gemeinden zu mildern. Darüber hinaus plant KAEFER, einen bestimmten Prozentsatz von First Nations-Mitarbeitern zu beschäftigen und einen Beitrag für die lokale Gemeinschaft zu leisten, indem es beim Bau von Schulen und Krankenhäusern sowie bei der Gesundheitsversorgung unterstützt.

„Wir müssen diesem Land genauso Respekt zollen wie den Völkern, die es seit vielen Generationen ihre Heimat nennen.“

Rafael Machado Geschäftsführer von KAEFER in Kanada

Neue Wege für kanadisches LNG

Da Kitimat das Zentrum des neuen kanadischen LNG-Booms ist, stehen für die Gemeinde in Zukunft alle Zeichen auf Wachstum. Milliardenbeträge werden in ein neues Terminal für die Verflüssigung, Lagerung und Verladung von LNG investiert, das anschließend in alle Teile der Welt exportiert wird. Dank seiner Erfahrung und seines Know-hows im Bereich kryogener Isolierung sowie seiner modularen Vorfertigung erfüllt KAEFER alle Voraussetzungen, um bei diesem innovativen und spannenden Projekt eine Schlüsselrolle einzunehmen.

Bei unserem System handelt es sich um eine bewährte Technologie, die für LNG Canada ideal ist.“

Ian Carter

„Wir haben ein System entwickelt, bei dem wir in unseren Anlagen in China die Isolierung vornehmen. Diese sogenannten ‚Module‘ sind komplett vorgefertigt und können mit bis zu 10.000 Tonnen die Ausmaße eines kleinen Kraftwerks annehmen. Im Anschluss werden sie auf Schiffe verladen und zu ihrem Einsatzort gebracht – einmal untereinander vernetzt sind sie sofort einsatzbereit“, erklärt Ian Carter vom LNG Kompetenzzentrum in Perth, Australien.

„Bei unserem System handelt es sich um eine bewährte Technologie. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es hier in Australien, aber auch an anderen Orten, wie beispielsweise Papua-Neuguinea, gut funktioniert. Dieses Spezialsystem ist auch für das LNG-Projekt in Kanada ideal.“

Dem kann Rafael Machado nur zustimmen: „Eine der besonderen Herausforderungen des kanadischen LNG-Marktes besteht in der Logistik, denn die Erdgasvorkommen liegen häufig in entlegenen und schwer zugänglichen Gebieten, wie die Montney Formation, in der sich eines der größten bekannten Gasvorkommen der Welt befindet. Die Verflüssigung und Verarbeitung für den Weitertransport per Schiff in Kitimat ist ein bedeutender Schritt bei der Etablierung eines Exportmarkts für kanadisches Gas. Unsere Technologie trägt dazu bei, dies zu ermöglichen – und noch effizienter zu gestalten.“

Das Gleichgewicht finden

Bei LNG handelt es sich um einen stark expandierenden Industriezweig in Nordamerika, nicht zuletzt wegen seiner im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen geringeren Umweltbelastung. Dem kommt auch bei der zukünftigen Erforschung und Erschließung eine steigende Bedeutung zu – wie auch der Notwendigkeit, industrielle Großprojekte und die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften und indigener Völker miteinander in Einklang zu bringen.

„Dieses Land hat so viel zu geben. Dafür müssen wir ihm Respekt zollen – genauso wie den Völkern, die dieses Land seit vielen Generationen ihre Heimat nennen“, so Machado. „Das ist für alle Beteiligten ein Gewinn, wenn wir die Chancen gemeinsam nutzen und zuversichtlich in die Zukunft blicken.“


Dieser Film von LNG Canada vermittelt einen Überblick über die Projektpläne