Cameron LNG

Die KAEFER-Vorhut in Louisiana


Auf in den Westen: Aufbau eines neuen Unternehmens in den boomenden Gasfeldern Amerikas.


In den Vereinigten Staaten genießt KAEFER nicht denselben Bekanntheitsgrad wie in anderen Teilen der Welt. Das kann ein Vorteil sein, denn so hat das Unternehmen die Chance, von Null zu beginnen, und sich anhand seiner Expertise und Leistungen zu definieren. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung, denn die USA sind ein gesättigter Markt, auf dem man nur schwer Fuß fassen kann.

Die Wahl des richtigen Weges liegt in den Händen von Wolfgang Richter, kaufmännischer Geschäftsführer von KAEFER LLC, Victor Bogos und Ian Carter, denen das erfahrene Führungsteam von KAEFER in Australien mit Rat und Tat zur Seite steht. Ihr gemeinsames Ziel besteht in der Etablierung von KAEFER auf dem US-amerikanischen LNG-Markt.

Um den Hintergrund der Geschichte näher zu beleuchten: Die Vereinigten Staaten sind mittlerweile der drittgrößte Exporteur von Flüssigerdgas und werden in den kommenden fünf Jahren in diesem Bereich weltweit in Führung gehen – und das, obwohl sie im Hinblick auf ihre Reserven derzeit auf Platz fünf rangieren. Kurz gesagt, Erdgas und vor allem Flüssigerdgas (LNG) erfahren in den USA einen Boom. Es handelt sich allerdings um einen gut etablierten Markt, der von erprobten und bewährten Akteuren dominiert wird. Daher besteht die KAEFER-Strategie bei LNG-Projekten in der Zusammenarbeit mit bestehenden Kunden – dabei wird die geballte Expertise und Innovationskraft von KAEFER in die Waagschale geworfen.

Cameron LNG ist ein Exportterminal in Hackberry, Louisiana, das sich entlang des Calcasieu Flusses erstreckt. Die erste Phase des Terminals, bestehend aus drei Haupt-Verflüssigungssträngen, ist im August 2020 an den Start gegangen. Bei diesen riesigen Projekten der Kunden Chiyoda und McDermott konnte sich KAEFER den Vertrag für die kryogene Isolierung der Ventil- und Flanschkästen in Train 2 und Train 3 sichern.

„Der LNG-Markt in Texas und Louisiana entspricht in seinen Dimensionen dem Gesamtmarkt im Rest der Welt – hier erschließt sich ein einzigartiges Potenzial“, so Richter. „Das war der ideale Ort, um unsere beispielsweise bei Projekten in Australien oder Südostasien gewonnene LNG-Expertise zum Tragen zu bringen und in einem rasant expandierenden, zukunftsorientierten Markt Fuß zu fassen.“

Von neuen Chancen

Um das zu bewerkstelligen, musste allerdings ein neues Unternehmen gegründet werden. „Wir haben einen vollständigen Neuanfang im Sinne des Greenfield-Ansatzes gewagt“, erklärt Richter. „Dazu brauchten wir einen Rechtsträger, Lizenzen für die Auftragnehmer (wobei gleich mehrere Hürden zu nehmen waren), Visa mitsamt Arbeitserlaubnis, Versicherungen, eine Vorqualifizierung je nach Kunde, eine Lohnabrechnung und mussten US-Lieferanten auswählen.

Die Menge an Arbeit und der Verwaltungsaufwand waren schier unendlich.“ Darüber nahm dieses neue Unterfangen im Herzen der Isolierbranche seinen Anfang. Alle namhaften Isolierer sind in Houston, Texas angesiedelt – dort kennt man sich. Die Nachricht, dass sich „ein Neuer“ dazugesellte, sprach sich schnell herum.

Erfahrungen aus „Down Under“ nutzen

KAEFER genießt in der internationalen LNG-Branche einen hervorragenden Ruf, nicht zuletzt auch wegen seiner erfolgreichen Vorzeigeprojekte in Australien und im asiatisch-pazifischen Raum. Ian Carter vom ‚KAEFER LNG Solutions Centre‘ in Perth beschreibt das so: „Das LNG-Geschäft von KAEFER hat hier seinen Anfang genommen. Dabei haben wir Höhen und Tiefen erlebt. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt, sodass jetzt andere Standorte und LNG-Projekte von KAEFER von unseren Erfahrungen profitieren können.“

Dem kann Wolfgang Richter nur zustimmen: „Eines der Dinge, die ich in meiner Zeit in den USA gelernt habe, ist die Einstellung, die besagt: ‚Das Scheitern gehört zum Lernen.‘ Das hat einen gewissen Pioniergeist, bei dem Scheitern als notwendiger Bestandteil von Erfolg angesehen wird. Man kann erst dann erfolgreich sein, wenn man aus seinen Fehlern gelernt hat.

„Die Erfahrung, die wir aus den in Australien abgeschlossenen Projekten mitbringen, ist einer unserer Erfolgsfaktoren.“

Wolfgang Richter, Geschäftsführer KAEFER LLC

Das ist in diesem Fall einer unserer Vorteile – die Erfahrung, die wir aus den bereits in Australien durchgeführten Projekten mitnehmen können.“

Das heißt nicht, dass es bei den australischen LNG-Projekten besonders viele Fehler oder Schwierigkeiten gegeben hätte. Aber kryogene Isolierungen und LNG-Gasvolumina, die in einem Verflüssigungsprozess bei -163°C um das 600-fache reduziert werden, erlauben wenig Spielraum für Fehler und verlangen etablierte Vorgehensweisen, die funktionieren.

Gekommen, um zu bleiben

Die Gesellschaft in den U.S.A. nahm sich das australische LNG-Lösungszentrum zum Vorbild. Um den Eintritt in den neuen Markt so reibungslos wie möglich zu gestalten, ging KAEFER eine Partnerschaft mit einem amerikanischen Unternehmen ein. Der US-Partner lieferte dabei die Ortskenntnisse sowie viele der benötigten Arbeitskräfte, während KAEFER sein Know-how, Projektmanagement, Projekt-Aufsicht und moderne Technologien beisteuerte.

„Das war wirklich eine Herausforderung, umso mehr in einem so fest etablierten Markt“, erinnert sich Richter. „Die Zukunft für das LNG-Geschäft sieht in dieser Region allerdings ausgesprochen rosig aus und KAEFER bringt die Erfahrung und die Expertise zum Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens mit.“ Und auch, wenn man Richter als einsame KAEFER-Vorhut bezeichnen könnte, ist er der erste, der auf die Teamarbeit verweist, denn einer allein kann eine solche Aufgabe nicht bewältigen: „Wir sind alle Teil eines Teams und einer großen Familie und wir können nur gemeinsam erfolgreich sein.“ Dank des äußerst erfahrenen Projektmanagers Rick Copping hat sich KAEFER den Respekt der US-Kunden erarbeitet und konnte sogar eine überdurchschnittliche Produktivität verzeichnen.

„Bei allem, was wir tun, geht es darum, ein langfristig und nachhaltiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen – für unsere Kunden, unsere Partner und unsere Mitarbeiter. Wir möchten uns dauerhaft etablieren.“ Mit diesen Worten sehen Richter und sein Team einem neuen Tag in Louisiana entgegen.


LNG-Projekte im Südwesten von Louisiana